Wie Solarparks, Agri-PV und Schraubfundamente gemeinsam die Energiewende erden
Es beginnt oft mit einer einfachen Frage:
Woher soll der ganze saubere Strom eigentlich kommen – ohne unsere Landschaft dauerhaft zu verändern?
Deutschland braucht mehr Solarenergie. Viel mehr. Gleichzeitig sind Flächen begrenzt, landwirtschaftlich wertvoll und gesellschaftlich sensibel. Genau hier treffen drei Lösungen aufeinander, die immer häufiger gemeinsam gedacht werden: Solarparks, Agri-Photovoltaik – und eine Bauweise, die fast unsichtbar bleibt: Schraubfundamente.
Solarparks:
Die stillen Arbeitspferde der Energiewende
Freiflächen-Solarparks sind heute der schnellste Weg, große Mengen erneuerbaren Strom zu erzeugen. Sie sind technisch ausgereift, wirtschaftlich konkurrenzfähig und planbar.
Was viele nicht wissen:
Der Flächenbedarf pro installiertem Megawatt ist in den letzten Jahren deutlich gesunken. Aktuelle Auswertungen zeigen, dass neue Solarparks heute weniger als ein Hektar pro Megawatt benötigen.
Damit gehören Solarparks zu den flächeneffizientesten Formen der Energieerzeugung überhaupt – deutlich effizienter als jede Form von Energiepflanzenanbau. Trotzdem bleibt die zentrale Frage bestehen:
Wie lässt sich Solarenergie ausbauen, ohne landwirtschaftliche Flächen dauerhaft zu verlieren?
Agri-PV:
Wenn Landwirtschaft und Stromerzeugung zusammenarbeiten
Agri-Photovoltaik setzt genau hier an. Das Prinzip ist einfach erklärt:
Die Landwirtschaft bleibt – der Strom kommt dazu.
Die Solarmodule werden so installiert, dass Felder weiterhin bewirtschaftet, Tiere gehalten oder Sonderkulturen geschützt werden können. In Deutschland ist das klar geregelt: Landwirtschaft muss die Hauptnutzung bleiben.
Agri-PV ist kein Nischenexperiment mehr, sondern ein wachsender Markt. Studien zeigen jedoch auch das Agri-PV mehr Fläche benötigt pro Megawatt als klassische Solarparks.
Dafür entstehen neue Vorteile:
- Schutz vor Hitze, Starkregen oder Hagel
- bessere Flächeneffizienz durch Doppelnutzung
- höhere gesellschaftliche Akzeptanz
Agri-PV ist damit kein Ersatz für Solarparks, sondern eine gezielte Ergänzung – dort, wo Landwirtschaft, Klimaanpassung und Energieerzeugung zusammen gedacht werden sollen.
Solarpark oder Agri-PV – zwei Wege, Sonnenstrom zu ernten
Beide Konzepte leisten einen wichtigen Beitrag zur Energiewende. Der Unterschied liegt nicht im „besser oder schlechter“, sondern im Zusammenspiel von Fläche, Nutzung und Akzeptanz.
| Worum geht es? | Solarpark (klassische Freifläche) | Agri-PV (Doppelnutzung) |
|---|---|---|
| Grundidee | Maximale Stromerzeugung auf Freiflächen – effizient, standardisiert und skalierbar. | Landwirtschaft bleibt Hauptnutzung – Strom wird zusätzlich auf derselben Fläche erzeugt. |
| Fläche pro Leistung | Sehr flächeneffizient: Neue Anlagen benötigen heute oft unter 1 ha pro MW. | Geringere Leistungsdichte, da Platz für Bewirtschaftung bleibt (typisch 0,2–0,9 MW/ha). |
| Nutzung vor Ort | Landwirtschaft meist eingeschränkt; häufig Begrünung, Pflege oder Beweidung. | Ackerbau, Sonderkulturen oder Tierhaltung bleiben aktiv sichtbar. |
| Stärken | Schneller Ausbau, hohe Wirtschaftlichkeit, klare Planbarkeit. | Doppelte Wertschöpfung, höhere Akzeptanz, Potenzial zur Klimaanpassung. |
| Planungsaufwand | Häufig geringer – viele technische und regulatorische Standards. | Höher – Bewirtschaftung, Höhen, Ernteprozesse und Genehmigung müssen zusammengedacht werden. |
Wachstum & Perspektive: zwei Blickwinkel, die zusammen ein Bild ergeben
Es helfen zwei Fragen:
Wie groß soll Photovoltaik insgesamt werden? (Chart A)
und wie stark wird „Agri-PV & Co.“ politisch gezielt angeschoben? (Chart B).
Das ist der politische Ausbaupfad für PV insgesamt. Er erklärt, warum Solarparks und Agri-PV stark wachsen müssen.
Hier sieht man das reservierte EEG-Volumen für „besondere Solaranlagen“ (inkl. Agri-PV). Das ist ein Förder-/Marktsignal.
Solarparks liefern Tempo und Skalierung. Agri-PV wächst dort, wo Doppelnutzung und Akzeptanz entscheidend sind.
Chart A: PV-Zielpfad Deutschland (Gesamt-PV)
PV-Zielpfad (GW)Hier geht’s um das „große Dach“: Wie viel Photovoltaik Deutschland insgesamt erreichen will. Die Zwischenjahre sind als linearer Pfad visualisiert, damit der Weg bis 2030 intuitiv sichtbar wird.
Hinweis: Die Linie verbindet den Ist-Wert 2025 mit dem Ziel 2030 (Zwischenwerte sind nur zur Veranschaulichung linear interpoliert).
Chart B: „Besondere Solaranlagen“ (inkl. Agri-PV) – reservierte EEG-Mengen
Reserviert (MW/Jahr)Hier wird es spezifisch: Das EEG reserviert Ausschreibungsvolumen für „besondere Solaranlagen“ – darunter fällt auch Agri-PV. Das zeigt, dass der Gesetzgeber dieses Segment gezielt wachsen lassen will.
Diese Balken bedeuten nicht „so viel wird automatisch gebaut“, sondern: Für dieses Segment steht gezielt ein eigener Förder-/Ausschreibungstopf bereit. Das macht Agri-PV planbarer – und fördert Projekte, die Landwirtschaft und Strom kombinieren.
Hinweis zur Einordnung: Die im Beitrag dargestellten Wachstumsdiagramme visualisieren gesetzliche Zielpfade und reservierte Ausschreibungsvolumina. Lineare Zwischenwerte dienen ausschließlich der besseren Verständlichkeit und stellen keine Prognose tatsächlicher Zubauraten dar.
Die oft übersehene Frage: Wie tief greift der Solarpark in den Boden ein?
Ob Solarpark oder Agri-PV – am Ende entscheidet eine unscheinbare Komponente darüber, wie nachhaltig ein Projekt wirklich ist: das Fundament.
Traditionell werden Solaranlagen:
- einbetoniert oder
- mit Stahlpfosten in den Boden gerammt
Beides funktioniert technisch, greift aber dauerhaft in den Boden ein. Rückbau, Bodenregeneration und landwirtschaftliche Folgen sind dabei oft aufwendig oder schwer kalkulierbar.
Schraubfundamente: Stabilität ohne Bodenversiegelung
Schraubfundamente verfolgen einen anderen Ansatz. Sie werden ohne Beton, ohne großflächigen Aushub und ohne Versiegelung in den Boden eingedreht.
Der entscheidende Unterschied:
Was hineingeschraubt wird, kann auch wieder herausgeschraubt werden.
Gerade für Solarparks auf Pachtflächen oder für Agri-PV-Projekte ist das ein zentraler Vorteil:
- minimale Bodenstörung
- schnelle Bauzeiten
- vollständige Rückbaubarkeit
- Erhalt der landwirtschaftlichen Nutzung
Geotechnische Fachpublikationen führen Schraubfundamente explizit als geeignete Gründungslösung für bodenschonende, reversible PV-Systeme – insbesondere bei erhöhten Konstruktionen wie Agri-PV.
Haben Schraubfundamente eine bessere CO₂-Bilanz?
Ja – wenn sie richtig eingesetzt werden.
Lebenszyklusanalysen zeigen, dass betonfreie Schraubfundamente in vielen Fällen eine signifikant bessere CO₂-Bilanz aufweisen als klassische Betonfundamente oder stark materialintensive Gründungen.
Die Gründe sind nachvollziehbar:
- kein Zement (einer der größten industriellen CO₂-Emittenten)
- geringerer Materialeinsatz
- weniger Transportvolumen
- kürzere Bauzeiten
- vollständiger Rückbau und hohe Recyclingquoten
Wichtig ist die Einordnung:
Die CO₂-Vorteile entstehen nicht automatisch, sondern durch konsequente, betonfreie Systemplanung.
Werden Schraubfundamente so genutzt, wie sie gedacht sind – als eigenständige, reversible Gründung – schneiden sie in Ökobilanzen regelmäßig besser ab als konventionelle Lösungen.
Checkliste: Wann Schraubfundamente besonders sinnvoll sind
Standort & Boden
- tragfähiger Boden (z. B. Sand, Lehm, Schluff)
- keine massiven Fels- oder Blocklagen
- Baugrunduntersuchung vorhanden
Projekt & Nutzung
- Pacht- oder temporäre Fläche
- Rückbau oder Flächenrückgabe relevant
- Agri-PV oder sensible Böden geplant
Bau & Betrieb
- kurze Bauzeit wichtig
- geringe Bodenstörung gewünscht
- hohe Aufständerung / Maschinenfreiheit erforderlich
Genehmigung & Akzeptanz
- Argument „reversibel & bodenschonend“ relevant
- landwirtschaftliche Hauptnutzung soll erhalten bleiben
Fazit
Solarparks liefern schnell große Mengen sauberen Stroms.
Agri-PV verbindet Energieerzeugung mit Landwirtschaft.
Schraubfundamente sorgen dafür, dass beides den Boden respektiert.
Die Energiewende braucht nicht nur Leistung – sondern Lösungen, die keine irreversiblen Spuren hinterlassen.
Quellen & weiterführende Dokumentation
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Umweltbundesamt (UBA): Photovoltaik-Freiflächenanlagen Überblick zu Flächenbedarf, Umweltwirkungen und Ausbauentwicklung von Solarparks in Deutschland. https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/erneuerbare-energien/photovoltaik/photovoltaik-freiflaechenanlagen
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UBA – Studie & Pressemitteilung: Umweltschonender Solarausbau Einordnung der Flächeneffizienz von Photovoltaik im Vergleich zu Energiepflanzen. https://www.umweltbundesamt.de/presse/pressemitteilungen/uba-studie-so-gelingt-der-umweltschonende
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UBA Factsheet: Photovoltaik auf Ackerflächen (PDF) Enthält konkrete Kennzahlen zum Flächenbedarf (z. B. ca. 0,88 ha/MW bis Ende 2024) und methodische Erläuterungen. https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/11850/publikationen/factsheet_pv-ackerflaechen.pdf
-
DIN SPEC 91434 – Agri-Photovoltaik (PDF) Technische Spezifikation zur Sicherstellung der landwirtschaftlichen Hauptnutzung bei Agri-PV-Anlagen. https://www.laves.niedersachsen.de/download/210771/Din_Spec_Agri_PV.pdf
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Fraunhofer ISE: „Agrivoltaics in Germany“ (PDF) Statusbericht zu installierten Agri-PV-Anlagen, Leistung und Marktentwicklung in Deutschland. https://publica.fraunhofer.de/bitstreams/a91d86ec-9dda-49ac-9574-896c8ca496dc/download
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EU Joint Research Centre (JRC): Agri-PV in Europa (PDF) Wissenschaftliche Einordnung zu Potenzialen, Herausforderungen und typischen Leistungsdichten von Agri-PV. https://publications.jrc.ec.europa.eu/repository/bitstream/JRC132879/JRC132879_01.pdf
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Fraunhofer ISE: Agri-PV Guideline (PDF, engl.) Überblick zu Technik, Regulierung und Marktbedingungen von Agri-PV-Systemen. https://www.ise.fraunhofer.de/content/dam/ise/en/documents/publications/studies/APV-Guideline.pdf
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Fraunhofer ISE: Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland (PDF) Zentrale Referenz für Ausbaupfade (u. a. 215 GW bis 2030, 400 GW bis 2040), Markt- und Kostendaten. https://www.ise.fraunhofer.de/content/dam/ise/de/documents/publications/studies/aktuelle-fakten-zur-photovoltaik-in-deutschland.pdf
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Fraunhofer ISE: Öffentliche Stromerzeugung 2025 – Presseinformation Einordnung der Stromerzeugung und installierten PV-Leistung Ende 2025. https://www.ise.fraunhofer.de/de/presse-und-medien/presseinformationen/2026/oeffentliche-stromerzeugung-2025-wind-und-solar-erstmals-als-doppelspitze.html
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EEG § 37d – Besonderes Zuschlagsverfahren Solaranlagen (Gesetzestext) Rechtsgrundlage für das Untersegment „besondere Solaranlagen“, zu dem auch Agri-PV zählt. https://www.gesetze-im-internet.de/eeg_2014/__37d.html
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Bundesnetzagentur: Ausschreibungen für Solaranlagen des 1. Segments Offizielle Informationen zu Ausschreibungsverfahren, Volumina und Terminen. https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Fachthemen/ElektrizitaetundGas/Ausschreibungen/Solaranlagen1/Ausschreibungsverfahren/start.html
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University of Massachusetts: Foundations for elevated ground-mount solar PV systems (PDF) Technische Übersicht zu Fundamenttypen für PV-Freiflächenanlagen, inklusive Schraub- und Helixpfählen. https://www.umass.edu/agriculture-food-environment/sites/ag.umass.edu/files/pdf-doc-ppt/foundations_for_elevated_ground_mount_solar_pv_systems.pdf








